Aarau auf Kurs Neues wagen – Bewährtes bewahren

Frontalangriff auf Parkplätze

20. September 2026

Parkplatz aufgehoben

Die Stadt Aarau arbeitet an einem «Konzept öffentliche MIV-Parkierung», bei dem es in Tat und Wahrheit vor allem um den Abbau von Parkplätzen im grossen Stil geht. Es wird mit belanglosen «durchschnittlichen Auslastungen» argumentiert, ohne Rücksicht auf Spitzen. In der Telli sollen bei der Sportanlage (Hallenbad, div. Turnhallen, Leichtathletikanlage) 75% der rund 80 Parkfelder eliminiert werden. Die Reduktion auf 20 oder noch weniger Parkplätze ist realitätsfremd und zum Nachteil von Familien und Sportlern. Im Zelgli steht der Parkplatz «Obere Schanz» mit rund 90 Parkfeldern zur Disposition — Halbierung oder Elimination, je nach Variante. Das trifft das Gewerbe, die Kunden, und auch das Roggenhausen, wo die Ortsbürger erst gerade 6 Millionen Franken in die Renovation investiert haben. Der Stadtrat fällt den Ortsbürgern also einmal mehr in den Rücken. Der Parkplatz «Schanz» ist nämlich offizieller Parkplatz für Besucher des Roggenhausen-Wildparks, wenn der Autoparkplatz am Waldrand voll ist (was er an vielen Wochenenden oft schon um 10 Uhr ist).

Politische Absicht: Den motorisierten Individualverkehr mit Push-Massnahmen aus der Stadt drängen. Die Rechnung zahlen Gewerbe, Ladenbesitzer, Handwerker, Familien und mit dem Roggenhausen ein weit über Aarau hinaus bekanntes Bijou, in das die Ortsbürger erst gerade sechs Millionen Franken investiert haben.

1. Telli — von 80 auf 20

Beim Hallenbad (inkl. div. Turnhallen) und der regional genutzten Leichtathletikanlage Telli existiert heute ein funktionaler Parkplatz mit rund 80 Feldern, befahrbar, mit Rangierraum. Die Planung ersetzt diesen Bestand durch eine schmale Restfläche entlang der Eggstrasse. Realistisch bleiben dort, wenn Autos noch ein- und ausparken sollen, etwa 16 bis 20 Parkfelder.

Das ist keine «Optimierung». Das ist eine Streichung von mindestens drei Vierteln des Parkplatzangebots an einem Ort, der Sport, Anlässe und Alltagsfahrten bedient, und in Zukunft auch den Schulbetrieb für die Mammut-Schule.

Zerstörung der Leichtathletikanlage Telli und Elimination von 75% aller Parkplätze.

Wer hier die Konzepte zu Ende denkt, sieht den Systemfehler. Das Hallenbad und die diversen Turnhallen bleiben erhalten (und damit auch die Nachfrage nach Parkplätzen). Neu dazu kommt die Mammut-Schule mit Mensa. Die realitästfremde Elimination von Parkflächen zeugt von der Geringschätzung der ausgewiesenen Bedürfnisse von Vereinen, Freizeitsportlern, Familien, Wettkampf- und Abendbetrieb. Wer übrigens etwas von Bäumen versteht, der durchschaut auch die «ökologische Aufwertung», die der Stadtrat mit seiner Visualisierung den Ortsbürgern andrehen will: Anstelle eines bestehenden, wertvollen Alt-Baumbestands hat man mit «copy-paste» Dutzende von Büschen ins Bild kopiert (siehe «Öko-Zauber» mit der Mammut-Schule).

2. Zelgli — Obere Schanz als Kollateralschaden

Im Zelgli will man nicht nur ein Denkmal zerstören (siehe Zelglischulhaus — vom Denkmal zum Schandmal?), auch hier plant der Stadtrat ein Parkplatz-Massaker. Die Visualisierung der Schulvarianten zeigt ein stark reduziertes Angebot auf dem heutigen Parkplatz «Obere Schanz», respektive die komplette Elimination dieser für die Stadt wichtigen Parkplätze am westlichen Stadtrand.

Luftbild Zelgli: Wegfall des Parkplatzes Obere Schanz
Elimination von bis zu 90 Parkfeldern auf der «Oberen Schanz». Gleichzeitig soll ein «Riegel» die Sicht auf die Südfassade des Zelglischulhauses blockieren. Denkmal­ver­schandelung und Park­platz­ver­nichtung kommen im gleichen Paket.

Der Parkplatz Obere Schanz ist

Die Ortsbürger haben das Roggenhausen erst gerade für sechs Millionen Franken generalerneuert. Es ist absurd, dass der Stadtrat jetzt den zugehörigen Parkraum zur Disposition stellt. Kaum haben die Ortsbürger eine grosse Investition getätigt und Aarau gestärkt, fällt der Stadtrat genau jenen in den Rücken, die die grossartige Renovation im Roggenhausen finanziert haben.

Ob die Reduktion bei «50 Prozent» stehen bleibt oder bei der vollständigen Elimination aller Parkfelder endet, ist für die Nutzung zweitrangig. Ein Parkplatz, der zur Hälfte fehlt, fehlt genau dann, wenn er gebraucht wird. Reservationen, Anlässe und Sonntagsandrang kennen keine Durchschnittsauslastung aus einem Workshop-Handout.

3. Das Konzept spricht Klartext — wenn man es liest

Das Handout zum 3. Workshop (24. Juni 2026, Stadtbauamt / Metron) liefert die «Denkmuster», die in den Projektvisualisierungen fehlen. Die Analyse-Folien sagen:

Daraus wird die Stossrichtung: kurzfristig punktuell begründete Aufhebung von Parkfeldern, mittelfristig Anpassung des Angebots als Push-Massnahme zu den Energie- und Klimazielen. Im Zentrum prüft man 93 Strassenfelder auf Verlagerung oder 15-Minuten-Kurzzeit; der viel benutzte Mühlemattparkplatz soll eliminiert werden, damit Fläche für andere Projekte frei wird. Und dann insgesamt 150 Parkplätze abbauen auf der Schanz und in der Telli. Wie passt das zum vom Stadtrat anvisierten Wachstum von Aarau und den «Zentrumsaufgaben»?

Die Sprache der Angebotsverknappung ist raffiniert. «Gute Auslastung» heisst im Leitbild: weniger leere Felder — dieses Ziel wird nicht etwa erreicht durch gesteigerte Nachfrage (und damit Mehrumsätze des Gewerbes), sondern durch die Streichung von Parkplätzen. Rund um Aarau werden die Einkaufskapazitäten ausgebaut (Entfelden, Gretzenbach, Buchs, ...), nur in Aarau fokussiert man sich auf Kleinstumsätze von Fussgängern und Velofahrern, weil die Wocheneinkäufe (mit Auto) andernorts gemacht werden.

Parkierung im Kontext der Energie- und Klimaziele
Die Folie «Konzept im Kontext der Energie- und Klimaziele» nennt die Parkplatzaufhebung ausdrücklich als Steuerungsinstrument.

4. Ideologie statt Erreichbarkeit

In der Stellungnahme zur Begleitgruppe steht, was im Workshop zu kurz kam. Die einfache Erreichbarkeit der Parkplätze ist oft nicht gegeben; Umwegfahrten und Stau vom Stadtrand bis zum Kasino-Parking fressen Viertelstunden. Eine Fahrt Zelgli–Unterentfelden ist schneller als Zelgli–Telli. «Trocken vom Auto in den Laden» gibt es in Aarau fast nur noch in den Parkhäusern Kasino und Bahnhof. Wer mit Rollator 100 Meter weit kommt, dem nützt ein «zentrales» Feld 250 Meter weiter nichts.

Die Folge ist nicht weniger Autoverkehr in der Region. Die Folge ist, dass die kaufkräftige Kundschaft — inklusive jener, die nicht 70 Prozent arbeiten und Zeit im Überfluss haben — nach Schöftland, Gretzenbach, Unterentfelden ausweicht. Dort stehen die Felder vor der Tür. Aarau behält den Durchgangsverkehr, verliert den Umsatz und erklärt das hinterher zur erfolgreichen Modal-Split-Wende.

Genau diese Logik trifft Telli und Zelgli. In der Telli wird der Sport- und Schulbetrieb auf 20 Felder zusammengedrückt. Im Zelgli wird ein Platz geopfert, der Gewerbe und Roggenhausen gleichzeitig dient. Beides sind keine «93 Felder im Zentrum, 4 Prozent des Angebots». Beides sind funktionierende Standorte, die man sichtbar macht, indem man sie wegnimmt.

Übrigens: Sechs Millionen im Roggenhausen und gleichzeitig die Drohung, den Overflow-Parkplatz zu halbieren oder zu streichen — das ist keine Gesamtschau. Das ist Silodenken mit ideologischer Priorität. Wer den MIV «mit allen Mitteln» aus der Stadt verbannen will, darf sich nicht wundern, wenn das Gewerbe und die Gäste mitgehen.

Einschätzung

Es sind weder für die Stadt Aarau noch für die Ortsbürger irgendwelche Verbesserungen zu erkennen. Der Frontalangriff auf wichtige Parkplätze bei der Sportanlage Telli und auf der Oberen Schanz — sehr zum Schaden des Roggenhausens, das die Ortsbürger mit viel Liebe und für teures Geld renoviert haben — zeigt einmal mehr, was dem Stadtrat wichtig ist.

Christoph Müller
für Aarau auf Kurs

Quellen und weiterführende Dokumente

  1. Visualisierung Telli: Bestand 80 / Planung 20 Parkplätze (MP4)
  2. Variantenbild Zelgli — Wegfall Parkplatz Obere Schanz
  3. Stadt Aarau / Metron: Konzept öffentliche MIV-Parkierung, Handout 3. Workshop, 24.6.2026